besser denken - leichter leben


Der Konstruktivismus


Was soll nun das wieder sein? Nun irgendwie könnte man es eine Weltanschauung nennen, die davon ausgeht, dass es viele Weltanschauungen gibt. Angenfangen hat damit der griechische Philosoph Epiklet mit seinem Grundsatz:
"Nicht die Dinge an sich, sondern unsere Sichtweise von den Dingen ist das, was uns beunruhigt"
.


Wir konstruieren unsere (emotionale) Wirklichkeit in dem wir auswählen was wir wahrnehmen und welche Schlüsse wir daraus ziehen.

Als Beispiel mögen zwei europäische Schuhvertreter in Afrika dienen: Der eine telegrafiert nach Hause:
"Vollkommen sinnlos Schuhe zu schicken, denn alle Afrikaner laufen barfuß". Der andere telegrafiert nach Hause: "Sofort 100.000 Paar Schuhe schicken, denn alle Afrikaner laufen barfuß". Dieser alte Witz über einen Pessimisten und einen Optimisten erinnert uns wieder an das positive/negative Denken - es hängt eben alles zusammen.

In neuerer Zeit hat sich um dieses Thema der österreichische Philosoph und Therapeut Paul Watzlawick (1921- 2007) sehr bemüht. In Amerika dagegen hat Albert Ellis (1913 - 2007) auf dieser Basis eine hervorragende Psychotherapie entwickelt die dann als Rational-Emotive Verhaltenstherapie bekannt wurde. In Deutschland hat Dieter Schwarz (Diplompsychologe und Psychotherapeut) mit seinen Büchern den Zusammenhang von Denken, Fühlen und Handeln verständlich gemacht und damit vielen Menschen die Möglichkeit einer Selbsthilfe bei Angst- und Ärger auslösenden Situationen gegeben.

Bis jetzt haben wir immer angenommen, dass es nur eine Wirklichkeit gibt. Das, was wir wahrnehmen, halten wir für die Wirklichkeit. Und warum sollten wir das auch nicht?
Weil wir unseren Sinnen nicht trauen dürfen. Eine gewagte Behauptung, die auf den ersten Blick eine gewisse Unsicherheit in unser Leben bringt. Dabei sind die üblichen Irrtümer, wie Verwechlungen, falsche Zuordnungen usw. noch das geringste. Das weitaus größere Übel ist es, dass wir vor unseren Sinnen einen Filter haben. Auf das Sehorgan bezogen heißt das, dass wir alle die Welt durch eine gefärbte Brille betrachten.
Wie das ?
Ich vermute es liegt daran, dass unser Wachbewusstsein (als Unterscheidung zum Unter-bewusstsein) furchtbar langsam ist. Um jetzt zu einer brauchbaren Informationsverar-beitungs-Geschwindigkeit zu kommen, bleibt uns nichts anderes übrig, als eine gegenwärtige Situation mit einer bzw. mehrerer vergangenen Situationen zu vergleichen um eine Entscheidung für die Zukunft zu fällen (auch wenn das nicht immer die beste Lösung ist).

Wer das in Zweifel zieht möge bitte einmal beobachten, wie schwer und zeit-raubend eine völlig neue Situation, die man mit gar nichts vergleichen kann, zu verarbeiten ist. Am ehesten können das noch die Kinder. Menschen über 50 haben oftmals schon große Schwierigkeiten etwas völlig neues einzugliedern. Deshalb dann auch die große Abneigung gegen Computer und neue Wort-schöpfungen. Es ist nicht so sehr das Problem, dass etwas gelernt werden soll, sondern dass etwas völlig neues da ist, mit einen Namen den man mit überhaupt nichts vergleichen kann. Die Kinder, die ja erst vor kurzem bei Null anfangen mussten, haben noch Übung in dieser geistigen Schwerarbeit, während die Erwachsenen zunehmend verwöhnt sind durch das komfortable Vergleichen mit Bekanntem.

Nach dieser Begründung nun wieder zurück zur Behauptung dass alles (relativ) Neue mit vorhandenen Erfahrungen verglichen wird. Wenn zum Beispiel Herr Müller und Herr Maier einen Griechenland-Urlaub gewinnen, so werden sie nur dann die gleichen Freude darüber haben, wenn sie auch die gleichen Erfahrungen gemacht haben. Wenn einer der beiden schlechte Erfahrungen mit dem Hotel, dem Wetter, den Leuten oder Wasser gehabt hat, so trägt er bildlich gesprochen eine "graue Brille". Er beurteilt die Nachricht von seinem Gewinn ganz anders als sein Gegenpart der dort seine große Liebe gefunden hat. Objektiv hat jeder das gleiche gewonnen.
Subjektiv aber jeder etwas anderes !!!

Und dieses Beispiel können Sie auf viele Begebenheiten übertragen.
Jeder Mensch hat individuelle Erfahrungen und beurteilt dadurch die Gegenwart ebenfalls individuell.

Da aber jeder eine Situation nur mit eigenen Erfahrungen vergleichen und beurteilen kann, hat er somit immer nur
"sein Urteil" und nicht "das Urteil".

"Na wenn schon", mag jetzt so manch einer sagen, "das bedeutet doch nur dass die Situationen individuell beurteilt werden, aber noch nicht dass wir unseren Sinnen nicht trauen dürfen".

Aber auch bei der Wahrnehmung treffen wir ein Auswahl. Denn um eine Situation objektiv wahrzunehmen, müssten wir alle gegenwärtigen Informationen völlig neu verarbeiten und hätten dabei verdammt viel zu tun. Wir erleichtern uns die Arbeit indem wir nur die wichtigen Informationen nach einem vertrautem Schema verarbeiten. Wir treffen eine Auswahl dessen was wichtig (und uns gefällig) ist. Und auch für diese Auswahl greifen wir auf unseren individuellen Erfahrungsschatz zurück und somit ist verständlich, dass jeder Mensch eine andere Wahrnehmung hat. Jeder Mensch hat
"seine Wahrnehmung" aber nicht "die Wahrnehmung".

Es ist also unsere Wahrnehmung und unsere Beurteilung einer Situation nicht "echt" sondern durch unsere Erfahrungen verfälscht.

Das eröffnet zwei Perspektiven:
Die eine zeigt uns dass wir mit unserer Ansicht nur einen Bruchteil der Wirklichkeit erfassen und damit viel unwissender sind als wir es wahrhaben wollen – zumindest solange wir nicht bereit sind unseren Standpunkt zu verändern. (Versuchen Sie mal ein Haus von der anderen Seite zu sehen ohne Ihren Standpunkt zu verlassen)

Die andere zeigt uns, dass wir vor einer ganzen Schatztruhe an Möglichkeiten stehen wenn wir nur bereit sind uns zu "bewegen".

Wenn wir bereit sind
andere Standpunkte
einzunehmen, erhalten wir
andere Ansichten

Das ist aber nur möglich, wenn wir mehr im Wachbewusstsein als im Unterbewusstsein sind. Je mehr wir dagegen im Unterbewusstsein - sozusagen in der der geistigen Automatik leben, desto eher besteht die Gefahr dass wir nur nach Schablonen leben.

Für gewöhnlich erleben wir unmittelbar aufeinander die Folge von:
REIZ / REAKTION
und glauben dass die Reaktion ausschließlich vom Reiz abhängt

tatsächlich wird aber die Reaktion von der Interpretation des Reizes bestimmt
REIZ / INTERPRETATION / REAKTION
die Interpretation geschieht meist unbewusst und blitzartig.

Albert Ellis gelang es durch gezielte Fragen diese Interpretation bewusst zu machen und aufzuzeigen, wie eine Änderung der Interpretation zu einer angenehmeren Reaktion führt. Daraus entstand dann die äusserst erfolgreiche
Rational Emotive Verhaltenstherapie (REVT).

Das besondere an dieser Therapie ist aber, dass sie nicht nur für
psychisch Kranke gut ist, sondern dass
auch der gesunde Mensch großen Gewinn aus
diesen Einsichten ziehen kann.


Die
REVT ist die Medizin gegen den ganz normalen Wahnsinn, den man im Alltag überall findet (nur bei sich selbst nicht ;-)

Hier ist die große Chance, dass wir unseren Fehlern auf die Spur kommen
und sie korrigieren können.

Denn der nachhaltigste Weg zum Wohlbefinden ist:

die eigenen Fehler erkennen und beseitigen.


nach oben
Startseite   Impressum   Kontakt  Forum

 


Wie wirklich ist die Wirklichkeit
von Paul Watzlawick

Paul Watzlawick klärt auf unkonventionelle und amüsante Weise darüber auf, was die sogenannte Wirklichkeit tatsächlich ist. Denn sie ist keineswegs das, was wir naiv "Wirklichkeit" zu nennen pflegen, sie ist vielmehr
das Ergebnis zwischenmenschlicher Kommunikation, was Watzlawick mit vielen verblüffenden Beispielen belegt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Die Hilfe zur Selbshilfe
Von Dieter Schwartz
klar, einfach, effektiv

Verständlich und klar zeigt das Buch den Zusammenhang von Denken, Fühlen und Handeln. Der Leser wird angeleitet, sein Denken mit Hilfe der Vernunft zu überprüfen und eine neue hilfreiche Lebensphilosophie zu entwickeln.